Denkmal-Radltour

Das Bayerische Landesamt fuer Denkmalpflege weist in seiner Liste fuer unsere Gemeinde mit ihren verschiedenen Ortsteilen eine ganze Reihe geschuetzter Baudenkmaeler auf. Diese lassen sich auf einer landschaftlich reizvollen Radl-Rundtour erkunden.

Die Gemeinde Seefeld ist aufgrund ihrer Vergangenheit als Sitz der Grafen Toerring und der kirchlichen Bautätigkeit in den verschiedenen Ortsteilen reich an denkmalgeschützten Gebäuden. Sie lassen sich auf einer landschaftlich sehr reizvollen Radl-Tour erkunden.

Ausgangspunkt ist die Äußere Brücke am Eingang zum Schloß Seefeld. Hier lassen wir die Räder vorerst stehen.

Wir gehen über die imposante gemauerte Bogenbrücke, die den Höllgraben überspannt, auf das Torhaus zu, einen hübschen Rokokobau von 1736.

Im Inneren Wirtschaftshof liegen dann auf beiden Seiten großräumige Wirtschaftsgebäude, um das Jahr 1732 errichtet – darunter das ehemalige Brauhaus mit Bräustüberl und Sudhaus. In der Mitte des Hofes beeindruckt ein barocker Brunnen. Vom Wirtschaftshof führt eine zweite Brücke über den mittelalterlichen Inneren Schloßgraben zum eigentlichen Schloß. Über dem Eingang erhebt sich der mächtige Bergfried, dessen untere Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Der Schlosshof wird von zwei unregelmäßig gestalteten Flügelbauten umfasst, die auf mittelalterlicher Grundlage im 17./18. Jahrhundert errichtet wurden. Die Räume des Schlosses sind bewohnter Privatbesitz und nicht zugänglich. Im Südflügel liegt die spätmittelalterliche Schlosskapelle, ebenfalls im 17./18. Jahrhundert ausgebaut. In Richtung Schlossgarten wird der Südflügel durch einen schönen Arkadenbau begrenzt, von Gabriel von Seidl 1894 errichtet. Wir können den markanten Bogengang sehen, wenn wir beim Rückweg vor dem Torhaus nach rechts abbiegen und einige Schritte bergab in den verträumten Schlossgarten gehen. Die Anlage ist mit einem Obelisken geschmückt, dieser und das ehemalige Gärtnerhaus mit seinem Zeltdach stammen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.

Vor der Äußeren Brücke, wo wir die Räder abgestellt haben, lag früher der Äußere Wirtschaftshof, der heute von der Straße nach Drößling durchtrennt wird. Die mächtigen Bauten des ehemaligen Hofes sind jedoch erhalten: das westliche und östliche Wirtschaftsgebäude, beide mit Walmdächern versehen und im 18. Jahrhundert errichtet.

Nur wenige Meter entfernt, in der Graf-Toerring-Straße gelegen, befinden sich zwei weitere denkmalgeschützte Bauten: das gräfliche Rentamt, ein langgestreckter Walmdachbau mit Putzgliederung von 1645 und daneben ein kleines einfaches Wohnhaus, das sogenannte Stenglhaus, mit Flachsatteldach aus dem 18. Jahrhundert.

Nun aber nehmen wir unsere Räder. Steil bergauf geht’s in Richtung Drößling; rechts neben der Straße öffnen sich Einblicke in den Schlosspark mit seinen riesigen Bäumen. Auf der Höhe angekommen, bietet sich ein anmutiger Blick auf eine waldgesäumte Wiesenlandschaft.

Rasch sind wir in Drößling. Kurz hinter dem Ortseingang steht rechts, gegenüber der Kirche, die ungewöhnlich gestaltete Kriegergedächtniskapelle, um 1920 in neubarockem Stil errichtet. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde 1688 von Martin Gunetzrhainer auf gotischer Grundlage erbaut. Im Inneren ist der vom Kunstschreiner Georg Leuthner 1749 gestaltete Hochaltar mit der Figur der Muttergottes besonders bemerkenswert; diese Maria war früher Ziel einer beliebten Wallfahrt. Zu Füßen einer weiteren Marienfigur am rechten Seitenaltar sehen wir zwei Leuchterengel des Landsbergers Lorenz Luidl ( 1645-1719 ), dessen Sohn Franz damals als Pfarrer nach Drößling kam. Von Luidl stammen auch die Büsten des Heiligen Johannes des Täufers und des Heiligen Johannes Evangelist am linken Seitenaltar sowie die Kreuzigungsgruppe gegenüber der Kanzel. Die Brüstung der Empore mit den Darstellungen von Christus und den 12 Aposteln wird dem Weilheimer Bildhauer Heinrich Hagn zugeschrieben.

Wir radeln aus Drößling weiter in Richtung Unering und haben gleich wieder eine mäßige Steigung zu bewältigen; rechts oberhalb der Straße ist die Spitze des Höhenbergs mit einem Holzkreuz markiert; ein kurzer Abstecher dorthin am Wiesenrand entlang ist wegen der reizvollen Nah- und Fernsicht sehr lohnend.

In bequemer Fahrt erreichen wir dann rasch Unering mit seiner auf einem kleinen Moränenhügel liegenden Dorfkirche. Sie ist das architektonische Kleinod der Kirchen unserer Denkmalfahrt. Dem Heiligen Martin gewidmet, wurde sie als barocke Zentralanlage 1731 vom berühmten Baumeister Johann Michael Fischer errichtet, dem im übrigen auch der uns schon bekannte Torbau von Schloß Seefeld zugeschrieben wird.

Die drei Altäre des harmonischen Innenraums sind Schöpfungen aus Stuckmarmor des Hofkünstlers Johann Baptist Zimmermann; auch die Altartische sind mit schönem Stuckmarmor bekleidet. Das in einem Stuckrahmen gefasste Deckenbild des Münchner Malers Johann Georg Sang stellt den Heiligen Martin als Bischof dar, der vor Maria und dem Jesuskind kniet und auf Arme und Kranke hinweist. Im ummauerten Friedhof steht eine Grabkapelle der Tiefenbrunner Gutsherrschaft aus dem 19. Jahrhundert.

Nach eben diesem Tiefenbrunn machen wir dann von Unering aus noch einen Abstecher. Dazu folgen wir zunächst der Strasse Richtung Hochstadt, biegen nach knapp 2 Kilometern rechts ab und erreichen kurz darauf das abgeschieden gelegene, im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammende Herrenhaus, einen Steilgiebelbau, der 1905 mit Treppengiebeln ergänzt wurde.

Wir kehren auf demselben Weg nach Unering zurück und nehmen die Straße Richtung Seefeld-Oberalting. In Höhe der Einfahrt zur ESPE sollten wir Halt machen und ein paar Schritte nach rechts gehen. Von hier, vom Griesberg, haben wir eine wunderbare Aussicht ins Aubachtal:

links Seefeld – Oberalting und dahinter Hechendorf , in der Mitte Meiling, rechts am „Bildrand“ Delling und, wenn man noch ein paar Schritte nach links geht, weiter dahinter Gut Ettenhofen. Vor allem können wir von hier oben schön den Verlauf der im Talgrund angelegten denkmalgeschützten Eichenallee verfolgen, die Seefeld mit Delling und Ettenhofen verbindet. Graf Gaudenz Clemens und sein Sohn Anton Clemens zu Toerring-Seefeld haben die weithin bekannte Allee im 18. Jahrhundert pflanzen lassen.

Nun sausen unsere Räder den Griesberg hinab nach Seefeld-Oberalting. Zielpunkt ist der neben der Kirche liegende Marienplatz, der über die Kirchenstraße leicht zu erreichen ist. Die eindrucksvolle Pfarrkirche St. Peter und Paul stammt mit ihrem Chor und Turmunterbau aus dem Jahr 1489, das Langhaus und der Chorausbau datieren von 1675. Im Inneren beeindruckt der große Hochaltar mit seiner Darstellung der Schlüsselübergabe an Petrus, ein Gemälde des Weilheimers Mattias Schöffelhuber. Der linke Seitenaltar ist als Marienaltar gestaltet mit einer Nachbildung der Altöttinger Muttergottes, die von Pfarrer Johann Faber ( 1726-43) hierher gebracht wurde. Die Büsten der Heiligen Maria und Joseph hat Johann Luidl, der Sohn des uns schon bekannten Lorenz Luidl, um 1730 geschaffen. Am rechten Seitenaltar sehen wir die Heilige Katharina, ein äußerst gelungenes Werk, das möglicherweise dem berühmten Johann Baptist Straub zugeordnet werden kann. Im Raum unterhalb der Empore befinden sich acht Grabtafeln, von denen die des Georg von Gundelfingen – dem letzten Eigentümer von Schloß Seefeld vor den Toerrings – und des Hans von Toerring zu Seefeld und Jettenbach herausragen.

Vor der Kirche wurde in neuerer Zeit der Marienbrunnen angelegt; die gusseiserne Marienfigur ist 1873 errichtet worden. Neben der Kirche steht der bemerkenswerte Bau des ehemaligen Spitals, von Georg von Gundelfingen für Bedienstete des Schlosses errichtet. Sein erdgeschossiger Teil trägt ein hohes Halbwalmdach und wurde 1820 erneuert, genauso wie der zweigeschossige Trakt mit vollständigem Walmdach.

Unterhalb des Spitals, durch einen Treppenweg erreichbar, steht in der Stampfgasse Nr. 3 ein kleines, ebenfalls denkmalgeschütztes und liebevoll gepflegtes Wohnhaus, ein Traufseitbau mit Satteldach aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wenige Schritte vom Marienplatz entfernt, an der bergauf führenden Drößlinger Straße ( Haus-Nr. 4 ) finden wir noch das ehemalige Drößlinger Pfarrhaus, einen harmonischen barocken Zeltdachbau mit Traufgesims aus dem Jahre 1720.

Unser nächstes Ziel ist Gut Delling, dessen Lage wir von der Aussicht vom Griesberg her schon kennen. Wir fahren zurück zu der Stelle, wo wir, vom Griesberg kommend, Oberalting erreicht haben, wenden uns dort nach links in die Moosdorfstraße und radeln zunächst auf Asphalt, dann auf einem Feldweg immer das Aubachtal sanft aufwärts, an Meiling vorbei, bis wir die talwärts gelegenen Häuser von Delling erreichen. Rasch sind wir dann auch, durch eine schöne Kastanienalle, bei Gut Delling selbst. Der Gutshof ist durch die modernen Zubauten in seinem Charakter verändert und der heutigen Zeit angepasst. Aus alten Zeiten stammt noch das Gutshaus, ein ehemaliges Nebengebäude des vormaligen Schlosses Delling, das in seinem nördlichen Teil gewölbte Erdgeschoßräume aus dem 16/18. Jahrhundert besitzt. Die reizende kleine Kirche St. Georg wurde 1774 erbaut. Der Hochaltar aus der Rokokozeit zeigt eine stilvolle Darstellung des Heiligen Georg vor buntem Hintergrund. Die Kanzel ist mit einem eindrucksvollen Verkündigungsengel geschmückt, den Franz Xaver Schmädl ( 1705-1777 ) gestaltet hat.

Von Delling aus führt uns nun ein Abstecher durch den nördlichen Abschnitt der Eichenallee auf nicht asphaltierter Strasse durch die unberührte Senke des oberen Aubachtales nach Ettenhofen. Das Gutshaus, ehemaliges Vorwerk von Schloß Delling, ein massiger Satteldachbau aus dem 17./18. Jahrhundert, liegt allein in aussichtsreicher Lage und atmet auch heute noch etwas vom Geist vergangener Tage. Hier haben wir den nördlichsten Punkt unserer Rundfahrt erreicht.

Wir kehren nach Delling zurück und müssen uns noch den denkmalgeschützten Bildstock am Antoniusberg ansehen. Dazu überqueren wir die Staatsstraße und fahren den die Staatsstraße begleitenden Radweg 200 Meter nach rechts Richtung Weßling. Wo wir den Waldrand erreichen,lassen wir das Rad stehen, überqueren zu Fuß wieder die Staatsstraße und finden den Bildstock nach wenigen Metern neben einer Kastanie stehend. Er stammt wohl aus dem 16. Jahrhundert.

Anschließend geht die Fahrt flott über den in der Folge die prächtige Eichenallee begleitenden Radweg hinab zum Ortsrand von Meiling. Hier folgen wir der Strasse in den Ort hinein – eine ordentliche Steigung – und kommen zur Meilinger Dorfkirche. Sie ist St. Margareth geweiht, im Kern spätmittelalterlich und wurde im frühen 18. Jahrhundert ausgebaut. Der Choraltar zeigt die Figuren der Heiligen sowie der beiden Bischöfe Benno und Ulrich, wohl ein Werk des Weilheimers Heinrich Hagn. Die reich gestaltete Kanzel ist ein Prachtstück des Lorenz Luidl; für diesen Bildhauer als Motiv typisch die beiden Engel, die den Kanzeldeckel halten. Die 1710 eingebaute Westempore ist mit Bildern der zwölf Apostel geschmückt, von denen 4 im Rahmen des Orgeleinbaus geopfert werden mussten.

In Fortsetzung unserer Tour suchen wir nun den zweiten denkmalgeschützten Bildstock. Dazu biegen wir hinter der Kirche nach rechts und gleich wieder nach links und fahren auf einer schmalen Asphaltstrasse aufwärts am Fußballplatz mit der schönsten Aussicht im Landkreis vorbei bis zum Waldrand. Dort lassen wir wieder die Räder stehen und gehen zu Fuß am Waldrand nach rechts aufwärts, bis wir nach kurzer Strecke den sog. Rauscherstein und eine Aussichtsbank erreichen. Der Stein wurde gesetzt zur Erinnerung an den 1916 gefallenen, wegen seiner Tugend und Tapferkeit gerühmten Georg von Rauscher. Die Aussicht von unserer Ruhebank ist großartig; die Dörfer der näheren Umgebung, das Aubachtal, der Pilsensee und die Herrschinger Bucht des Ammersees sowie dahinter die Alpenkette.

Wir gehen wieder zu unseren Rädern und fahren zurück über Meiling zum Radweg der Eichenallee. Diese geht’s nun entlang bis zur Kreuzung am Ende des Radwegs, dann nach halbrechts durch die Lindenallee und über die S-Bahngleise in die zunächst bergauf, dann wieder eben verlaufende Günteringer Straße. Nach wenigen hundert Metern kommen wir am Backofenhäuschen des ehemaligen Förlmaxhofes vorbei, einem kleinen Satteldachbau aus dem 19. Jahrhundert. Kurz dahinter steht ebenfalls links das hübsche Angerschneidergütl ( Haus-Nr. 8 ), ein kleines Wohnhaus mit Flachsatteldach aus dem 17./18. Jahrhundert.

Wir überqueren anschließend die Inninger Strasse, fahren wieder etwas bergauf in Richtung Ortsmitte Hechendorf und erreichen kurz darauf das Kriegerdenkmal mit imposantem, einen am Boden liegenden Helm schützenden Löwen, auf einem Tuffstein stehend, 1925 in Bronze gegossen.

Rasch sind wir dann bei der Hechendorfer Dorfkirche, dem letzten Ziel unserer Rundfahrt. Die Pfarrkirche St. Michael, eine der seltenen Chorturmanlagen, stammt im Kern aus dem 13./14. Jahrhundert; das Langhaus wurde um 1772 ausgebaut. Das Gemälde des Hauptaltars erzählt vom Kampf Michaels. Es ist eine Kopie des Altarbildes der Michaelskirche in Berg am Laim von Johann Andreas Wolff aus dem Jahre 1694. Der linke Seitenaltar zeigt eine Kopie eines Gemäldes des Spaniers Jose Antolinez ( 1635-1675 ) aus der Alten Pinakothek in München. Das Altarbild des rechten Seitenaltars stellt Pabst Urban I dar mit Schwert und Weintrauben ( Schutzpatron der Weinbauern ); das Gemälde stammt aus der Nazarenerschule Anfang des 19. Jahrhunderts. Beachtenswert auch der Deckel des Taufbeckens mit einer anrührenden Darstellung der Taufe Christi.

Um zum Seefelder Schloß zurückzufahren, können wir die Strecke am Pilsensee entlang nehmen. Wir fahren dazu die Hauptstrasse weiter Richtung Herrsching, biegen dann nach links in den Bachlaich ab und fahren steil zur Seestrasse hinab. Diese entlang kommen wir an einem hübschen Strandbad vorbei mit der Möglichkeit, die inzwischen müden Glieder zu erfrischen für das letzte Stückchen Fahrt mit Querung des Aubachtales bis zum Ausgangspunkt unserer Tour.

 

INFO
  • Fahrtstrecke 30 km
  • Am Wege etliche Gaststätten mit Biergärten
  • Die Kirchen in Oberalting und Hechendorf sind tagsüber geöffnet, die anderen zu Gottesdienstzeiten (eventuell Besichtigungsöffnung nach Rücksprache mit dem Pfarramt: Tel. 08152/7267)
TEXT UND PHOTOS
  • Dr. Ulrich Goebel, Verein Denkmal und Landschaft Seefeld
  • Das Namens- und Bildrecht bezüglich des Schlosses Seefeld, ist urheberrechtlich geschützt und obliegt ausschließlich dem Rentamt Graf zu Toerring Jettenbach
  • Denkmalbeschreibungen größtenteils übernommen aus der Denkmal-Liste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege sowie der Internetveröffentlichung der Pfarreiengemeinschaft Seefeld.
  • Weiterführende Literatur in der Bücherei Oberalting , Marienplatz 4 82229 Seefeld (Öffnungszeiten So 10.00 – 11.30, Mi 17.30 – 19.30, Do 16.00 – 17.30 )
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